Waldecker Spielzeugmuseum

SpielZeugen erzählen aus längst vergangener Zeit

Schildkröt Inge 

Gestiftet von Rita Lange geboren am 20.04.1935 in Gelsenkirchen

Zu Weihnachten 1939 bekam ich von meinen Eltern diese Schildkrötpuppe geschenkt, der Bruder erhielt eine Märklin Eisenbahn. Dafür hatten die Eltern sehr lange sparen müssen, es war Kriegszeit und die Familie war sehr arm, denn der Vater war arbeitslos, bis er beim Autobahnbau bei Braunschweig eine Anstellung fand. 

Im Jahr 1942 wurden die Zwillinge Fredi und Renate geboren, inmitten der Kriegszeit. Die ersten Bomben fielen auf unsere Gelsenkirchener Wohnung, dabei wurde die Puppe Inge durch herabstürzende Ziegelsteine verletzt. Der Friseur des Vaters, Puppendoktor, reparierte die Schäden an dem Puppenkopf.  

Zum Kriegsende waren alle Mittel knapp. Ich hatte keine Schuhe mehr und so wurde die Puppe unter viel Geheule in einer Tauschzentrale gegen Schuhe eingetauscht. Meine Inge, die ich überall in Bunkern und Stollen bei mir und behütet hatte. 

 



Meine Geschwister wurden inzwischen fünf Jahre alt
und Inge saß noch immer in der Tauschzentrale. Zum Geburtstag machten meine Eltern wieder einen Tausch möglich. Sie holten Inge und sogar noch einen Puppenwagen als Geburtstagsgeschenk für die Zwillinge. Als meine Geschwister das Interesse an Inge verloren, nahm ich sie wieder in meinen Besitz. Jedoch war Inge eines Tages verschwunden, ich fand sie bei einer unverheirateten Tante wieder. 

Als ich 1955 heiratete, holte ich Inge zu mir nach Hause. Sie machte mehrere Umzüge mit, bis ich 1961 nach Korbach kam. Bis zu ihrem Einzug in das Waldecker Spielzeugmuseum hatte sie einen ehrenvollen Platz in unserer Mansarde. Nun soll sie aber ihr letztes zu Hause gefunden haben – im Reich der „SpielZeugen“ eines Jahrhunderts.

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